BELkA - ein Kurzporträt

Bei der Studie zur Erfassung der Lesekompetenz von Auszubildenden handelt es sich um eine unabhängige wissenschaftliche Begleitstudie, die im Zeitraum Oktober 2011-Dezember 2012 an der Universität Osnabrück in den Fachbereichen Erziehungswissenschaft und Germanistik kooperativ durchgeführt und von der Friedel & Gisela - Bohnenkamp Stiftung finanziell unterstützt wird. Die Studie begleitet das Projekt Zukunft Bilden, eine Bildungsinitiative in der Region Osnabrück, das federführend von dem Medienhaus der Neuen Osnabrücker Zeitung initiiert wird und unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister steht. 

Zukunft Bilden ist eine außerschulische und außerbetriebliche Förderung und Qualifizierung von Auszubildenden verschiedenster Berufe in der Region Osnabrück und Umgebung. Diese sollen durch die Lektüre einer regionalen Tageszeitung, die ihnen an ihre Privatadresse zugestellt wird, in wichtigen (Schlüssel-)Kompetenzen gefördert werden: Hierzu gehören die Förderung des Allgemeinwissens in den Bereichen der Kultur, Ökonomie, Politik, den Naturwissenschaften sowie die Verbesserung der Medien- (vor allem Printmedien) und Lesekompetenz. Aber auch der Ausbau der Kommunikationsfähigkeit der jungen Erwachsenen und ihre Sensibilisierung für aktuelle Themen der Gesellschaft sind Ziele dieses Projektes.

Der Bereich der Lesekompetenz und ihre Entwicklung unter dem Einfluss täglicher Zeitungslektüre ist das zentrale Thema der wissenschaftlichen Begleitforschung. Besonders interessant für die an diesem Projekt beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist der Fokus auf die bisher in der Lesekompetenzforschung vernachlässigte Gruppe der Berufsschülerinnen und Berufsschüler.

Die der Projektbegleitung zugrunde liegende Fragestellung ist, ob das regelmäßige Lesen einer regionalen Tageszeitung zu einem besseren Allgemein- und Sprachwissen und damit möglicherweise zu einer Verbesserung der Lesekompetenz bei Auszubildenden führt.  

Die wissenschaftliche Begleitforschung wird die Lesekompetenz von Auszubildenden in Form eines Kontrollgruppendesigns zum Jahresende 2011 und am Ende des Schuljahres 2011/12 erheben und damit den einschlägigen Kompetenzzuwachs im Rahmen des Projektes Zukunft Bilden über einen Zeitraum von 8 Monaten messen. Konkret bedeutet dies, dass jeweils vor den Weihnachtsferien 2011 und den Sommerferien 2012 insgesamt ca. 1.100 Berufsschüler/innen (Experimental- und Kontrollgruppe) in neun Berufsbildenden Schulen des Regionalabteilungsbezirks Osnabrück von Wissenschaftlern der Universität Osnabrück hinsichtlich ihres Leseverhaltens bzw. ihrer Lesekompetenz getestet werden.

Dies geschieht mit einem Erhebungsinstrument, das in seiner Beschaffenheit mit dem Testdesign der in den PISA-Studien verwendeten Verfahren zur Messung der Lesekompetenz vergleichbar bzw. an dieses angelehnt ist. Ein solches Design soll die Vergleichbarkeit der Daten sicherstellen bzw. einen Bezug zu den Pisa-Ergebnissen ermöglichen. Die Auswertung und Präsentation der Endergebnisse wird für Ende 2012 erwartet.

Wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Veränderung von Lesekompetenz bei Auszubildenden in Folge täglicher Zeitungslektüre könnten als Basis für weitere außerschulische und außerbetriebliche Fördermöglichkeiten dieser Zielgruppe dienen. Berufsschüler galten und gelten heute immer noch als eine wenig erforschte Gruppe, vor allem im Bereich der Lesekompetenz, da sich die meisten Untersuchungen in Folge von PISA (und auch IGLU) auf jüngere Alterskohorten konzentrierten und die Förderprogramme größtenteils auf Schülerinnen und Schüler der Primar- bzw. Sekundarstufe I abzielen.

Eine Verbesserung der Lesekompetenz der Berufsschülerinnen und Berufsschüler würde sowohl bei den Probanden selbst als auch bei den Unternehmen und im gesamtgesellschaftlichen Kontext zu positiven Effekten führen. Eine Auszubildende oder ein Auszubildender kann durch eine verbesserte Lesekompetenz seine Möglichkeiten der Teilhabe am kulturellen und politischen Leben besser ausschöpfen. Sie bzw. er ist dann in der Lage, den eigenen Wissenshorizont und die eigenen Potenziale weiter zu entwickeln, ganz im Sinne von PISA. Die Unternehmen wiederum profitieren von kompetenten und gut gebildeten Mitarbeitern, da mit einer besseren Lesekompetenz auch Verbesserungen in anderen (Fach-)Bereichen einhergehen, weil Textverstehen die Grundlage von Informationsentnahme jeglicher, auch fachlicher, Literatur darstellt. Schließlich verfolgt die Maßnahme Zukunft Bilden ein gesamtgesellschaftliches Ziel: Damit eine demokratische Gesellschaft wie die unsere funktioniert, braucht sie mündige und am öffentlichen Leben beteiligte Bürgerinnen und Bürger, die in der Lage sind, an dem schriftbasierten Informationsaustausch teilzuhaben.